Fremdwährung, Teil 3: keine Universallösung

Mehrwährungs-Netzwerk Zwölf wichtige Weltwährungen – CHF, EUR, USD, GBP, JPY, CNY, INR, KRW, RUB, TRY, BRL und SEK – ziehen als verbundene Knoten durch eine langsame, organische dreidimensionale Wolke, stossen sich ab und federn entlang ihrer Verbindungen, nähere Währungen grösser und heller, fernere kleiner und schwächer. R$ ¥ $ kr £ CHF Artikel 3/3 FREMDWÄHRUNG

Jedes Regime fixiert dieselben realisierten CHF 200; sie unterscheiden sich nur darin, wie genau die Bücher unterjährig sind und wie viel Arbeit das kostet. Welches passt also zu Ihrem Geschäft? Dieser letzte Teil legt die Optionen nebeneinander.

Die Abwägungen im direkten Vergleich

Jedes Regime ist ein Punkt auf derselben Linie zwischen Genauigkeit und Aufwand; keines ist allgemeingültig richtig. Eine Unterscheidung durchzieht sie alle: Ein realisiertes Ergebnis wird fixiert, sobald Geld fliesst, und ist stets zu buchen, während ein unrealisiertes nur auf dem Papier besteht. Die Schweizer Besteuerung folgt der handelsrechtlichen Rechnungslegung (Massgeblichkeitsprinzip), ein gebuchtes Kursergebnis wird also grundsätzlich so besteuert, wie es gebucht ist – doch das Bundesgericht hat in BGE 136 II 88 eine scharfe Linie gezogen: Reine Umrechnungsdifferenzen aus der Umrechnung fremdwährungsbasierter Bücher in Franken sind «die Folge eines fiktiven Vorgangs» und bleiben ausserhalb des steuerbaren Gewinns, während nur echte Transaktionsdifferenzen steuerwirksam sind. Der von Ihnen gewählte Zeitpunkt verschafft Ihnen dennoch einen realen Liquiditätsvorteil bei der Steuer.

Regime Vorteile Nachteile
Tägliche Neubewertung Bücher jeden Tag korrekt; Risikoexposition in Echtzeit Riesiges Buchungsvolumen; Korrekturen pflanzen sich fort; erfordert einen Kurs-Feed
Nur bei Zahlung Praktisch kein Aufwand; nichts zu schätzen Jahresabschluss falsch; nicht regelkonform
Jahresende + bei Zahlung Korrekter Jahresabschluss; wenige Buchungen; regelkonform Blind zwischen den Abschlüssen; Überraschungen unterjährig

Wer welches braucht

Das richtige Regime ergibt sich daraus, wie stark das Währungsrisiko das Geschäft prägt. Für ein Unternehmen, dessen Margen mit Kursbewegungen gewonnen und verloren werden, ist unterjährige Genauigkeit überlebenswichtig; für eines, das nur hin und wieder ins Ausland fakturiert, ist sie blosser Mehraufwand. Eine gesonderte Wahl stellt sich, sobald Sie einen laufenden Fremdwährungsbestand halten und einen Teil davon ausgeben: Welcher Einstandskurs bildet die Kostenbasis – FIFO, LIFO oder Durchschnitt. Das ist eine Frage der Rechtsordnung, keine des Zeitpunkts. Und die MWST läuft nach einem ganz eigenen Kursregime: Der Umsatz wird wahlweise zum Monatsmittelkurs der ESTV oder zum Tageskurs (Devisenkurs Verkauf) umgerechnet – doch ist das gewählte Vorgehen während einer ganzen Steuerperiode beizubehalten und gleichermassen auf Inland-, Bezug- und Vorsteuer anzuwenden (Art. 45 Abs. 3 und Abs. 5 MWSTV). Anzunehmen, der Kurs in Ihren Büchern bestimme die MWST-Abrechnung, ist der klassische Fehler.

Geschäft Währungsrisiko Passendes Regime
Rohstoff-/Ölhändler Kern der Erfolgsrechnung Tägliche Neubewertung
Importeur/Exporteur Erheblich, wiederkehrend Monatliche oder jährliche Neubewertung
Typisches inländisches KMU Gelegentliche Rechnungen Neubewertung zum Jahresende + bei Zahlung

Dasselbe Ende, ein anderer Weg

Das Ergebnis, das die Serie zusammenhält, macht die Wahl unbedenklich: Jedes Regime erreicht denselben realisierten Verlust über die Laufzeit; nur der Zeitpunkt und die Zahl der Buchungen unterscheiden sich. Die Aufteilung dazwischen ist subtiler. Nach dem Imparitätsprinzip ist ein unrealisierter Kursverlust stets zu buchen, ein unrealisierter Kursgewinn dagegen nur auf kurzfristigen betrieblichen Positionen – unsere +300 bleiben also bestehen, während eine langfristige Fremdwährungsposition ihn abgrenzen müsste (wo IFRS, IAS 21.28, beide Richtungen symmetrisch erfasst). Für die direkte Steuer werden Bilanzpositionen zum Jahresendkurs der ESTV-Kursliste neu bewertet – dem Schlusskurs des letzten Dezember-Handelstags, der als «Steuerwert am 31. Dezember» gilt (Art. 14 und 17 Abs. 1 StHG) – und die Erfolgsrechnung zum Jahresmittelkurs.

Regime Ergebnis über die Laufzeit Genauigkeit zum Jahresende Aufwand
Tägliche Neubewertung −200 Genau, jeden Tag Sehr hoch
Nur bei Zahlung −200 Zum Jahresende um 300 falsch Minimal
Jahresende + bei Zahlung −200 Genau zum Jahresende Tief

Ein adaptiver Mittelweg

Wenn es eine Lehre gibt, dann diese: Die Lehrbuch-Regime sind Punkte, kein Spektrum, und die meisten Unternehmen leben dazwischen. Die spannende Gestaltungsfrage lautet nicht «welches Regime», sondern «wie erreiche ich die Genauigkeit der täglichen Bewertung dort, wo sie zählt, und die Ruhe des Jahresendes überall sonst». Der Stand der Technik deutet es bereits an: ein monatlicher Takt oder ein Mehrwährungsbuch, das jede Währung in einem eigenen Konto hält und in jedem Augenblick korrekt bleibt – ohne eine Buchung bei jeder Kursbewegung.

Ein adaptiver Ansatz hielte die Bücher für die lange Reihe kleiner, sich langsam bewegender Positionen grundsätzlich ruhig und zöge nur dort an – häufiger neu bewerten, früher realisieren –, wo die Exposition gross oder schnell ist. Für ein Schweizer KMU, das gelegentlich eine Euro-Rechnung verschickt und dennoch ein Jahresende will, dem es trauen kann, ist eine Mischung aus beiden Welten meist die ehrliche Antwort. Es gibt keine einzig richtige Methode; nur die, die passt.

Damit endet unser Rundgang in drei Teilen – vom Moment, in dem die Bücher nicht mehr aufgehen, bis zum adaptiven Mittelweg. Wenn er Ihren Blick auf die nächste Euro-Rechnung verändert hat, hat er seinen Zweck erfüllt.